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Dauerausstellung
Natur- und Kulturhistorische Ausstellung
Mit der von Dr. Ulrich Hermanns, Kunsthistoriker und Ausstellungsmacher aus Münster und Prof. Jürg Steiner vom Lehrstuhl für Ausstellungs- und Messedesign an der Universität Wuppertal konzipierten und gestalteten Präsentation wird der regionalen Garten- und Landschaftskultur erstmals in Westfalen eine Dauerausstellung gewidmet. Möglich wurde dies durch die großzügige finanzielle Unterstützung der Nordrhein-Westfalen-Stiftung in Düsseldorf. Der "Auftritt einer Kulturlandschaft - Renaissance-Tiergarten Schloss Raesfeld" im Obergeschoss des Informations- und Besucherzentrums eröffnet einen ganz eigenen Zugang zum Thema, wie die folgende Einführung von Dr. Hermanns und Prof. Steiner zeigt:
"Der Tiergarten steht in einem engen Zusammenhang mit dem Schloss Raesfeld, welches im Laufe der Jahrhunderte zahlreichen Neu- und Umbauten sowie auch immer wieder Zerstörungen ausgestzt war. Die Ausstellung widmet sich in ihrem ersten Teil der Raesfelder Schlossanlage und deren Herren. Im Mittelpunkt steht dabei die Umwandlung der kleinen Burgfreiheit in eine repräsentative Schlossanlage, in deren Zuge auch die Anlage des Tiergartens begonnen wurde. Diese Entwicklungen stehen im Zusammenhang mit der Persönlichkeit und Biographie des damaligen Herrn von Raeesfeld, Alexander II. von Velen. Sein militärischer und politischer Aufstieg im Dreißigjährigen Krieg brachten ihm Reichtum und Macht. Neben dem standesgemäßen Ausbau des Schlosses gehörte die Anlage eines Tiergartens zur Repräsentation. Sie ist aber auch als Reaktion auf einen durch Kriegshandlungen verminderten Wildbestand zu verstehen, für dessen Wiederansiedelung man Sorge tragen musste. Die Ausstellung zeigt weitere Beispiele adeliger Tiergärten der frühen Neuzeit und betritt damit gartenhistorisches Neuland. Die kartografische und archäologische Überlieferung des Raesfelder Tiergartens vermittelt dabei eine konkrete Vorstellung von der Entstehung und Gestaltung eines solchen Tierparks. Mit einem Überblick über historische Tiergärten in Westfalen und Deutschland spürt die Ausstellung der Entwicklung und kulturellen Bedeutung dieser Gartenform nach.
In einer Kulturlandschaft wie dem Tiergarten spiegeln sich Nutzungen und Gestaltungen menschlicher Lebensräume. Sie sind gleichsam natürliche Gedächtnisse der Zivilisation und der Natur. Diese Gedanken greift die Ausstellung auf. Sie schlägt einen Bogen von der Geschichte des Tiergartens zur Wahrnehmung von Landschaft und zum Schutz historischer Kulturlandschaften in heutiger Zeit. Es geht darum, den Blick für die kulturelle Bedingtheit der Rezeption von Landschaft sowie die menschliche Überformung natürlicher Umwelt zu schärfen.
Dabei zeigt sich nicht nur, wie Musik, Literatur, blidende Künste und Medien unser Bild von Landschaft beeinflussen, sondern auch wie sich dieses verändert sobald Begriffe historischer Kulturlandschaften aus unserem Vokabular verschwinden. Die Ausstellung regt daher zum Erkennen und Erforschen allgegenwärtiger und scheinbar selbstverständlicher Kulturlandschaften an und sensibilisiert für die Notwendigkeit ihres Schutzes und ihrer Pflege.
Der Titel "Auftritt einer Kulturlandschaft" spiegelt die Ausstellungsgestaltung wider: Das Publikum betritt die Bühne eines Naturtheaters, dessen Gassen und Soffitten ein perspektivisches Großbild formen, dem Blick über den Langen Teich zum Schlossturm nachempfunden. Hinter jeder Gasse finden die einzelnen Sequenzen der Ausstellung ihren Raum, so dass eine leicht verständliche Inzenierung alle Besucher gleichermaßen anspricht. Sowohl mit der ersten künstlerischen, kartografischen Aufnahme des Tiergartens, der wertvollen Karte des Johann Reiner Oßingh von 1729, als auch mir dem über zwei Tonnen schweren Allianzwappen Alexander II. und seiner Gemahlin Alexandrine, befinden sich in der Ausstellung beeindruckende Orginalobjekte. Sie werden ergänzt durch Fundstücke und einem lebenden Pflanzenmodell des Tiergartens. Tierpräparate, mediale Installationen und spielerische Informationselemente runden das facettenreiche Angebot für eine Einstimmung auf den Besuch des Tiergartens ab."









